Zwiegespräch

written by malu winter

Ich hab’ ne Frage, die mich jagt schon seit sehr langer Zeit,
So oft gefragt mich hab’, ob ich alleine sei mit dieser Sache,
Ganz egal was auch immer ich im Leben treib’ und mache
Und mit wie vielen, schönen Menschen ich zusammen lache,
Ich fühl’ mich müde, traurig, leer, wenn ich Morgen dann erwache –
Noch immer hab’ von diesem Monster mich noch nicht befreit.

Verloren striff ich durch die weite Welt als Winterkind,
In eben diesen schon fast ganz vergess’nen, alten Tagen,
Da hab’ gesehnt ich mich so sehr! – ich will’s dir hier gleich sagen –
Danach die Sonn’ zu seh’n, nach einem End’ von diesen Plagen,
Dass ich geschrie’n habe laut ‘gen Himmel meine Klagen –
Noch wusst’ ich nicht, welch’ prächtig’ Menschen heut’ die Meinen sind.

Damit das meine Glück auch wahrhaft endlich könnt’ gedeihen,
Die Welt sie müsst’ gefühlt sofort aufhören sich zu drehen,
Ich müsst’ nach all den vielen Jahren letztlich lernen sehen,
Die ganze Pracht der Menschen, die heute mir gehen,
Und mich auch ohn’ zu hören Worte, einfach so verstehen –
Doch ist der meine Kopf noch immer stets so laut am schreien:

Du bist so hässlich, niemals schön,
Dein Körper durch und durch obszön.
Ein Niemand wird dich wahrhaft lieben,
Weshalb sie niemals bei dir blieben.
Du bist nichts wert. Du bist zu viel.
Das deine Leben hat kein Ziel.
Das Glück, das hast du nicht verdient,
Die Freud’, sie hat dir nie gedient.
Ein jeder wird dich bald verlassen,
Ein weit’rer Grund, dich selbst zu hassen.

Er ist so laut und immerdar und gibt mir keine Ruh’,
Obwohl ich weiss, dass er nicht wirklich wahre Worte spricht,
Ich kanns so ohne Hilf’, aus eig’nem Mut enkräften nicht,
Es fällt mir schwer, nicht zu verfallen seinem warmen Licht
Und nicht zu glauben ihm, was er mir Alles so verspricht –
Doch jetzt, schon fast am End, da füg’ ich auch noch was hinzu:

Du böser Geist, ich bin sie leid,
Die deine Wut und deinen Neid.
Ein jedes Wort von dir gelogen,
Du hast mich immer nur betrogen.
Ich fleh’ dich an auf meinen Knien,
So lass mich bitte endlich ziehen.

So viele Jahre hab ich tapfer neben dir verlebt,
Du hast mir sämtlich Glück in meinem Leben stets verwehrt
Ich habe nie gemurrt, geklagt, geschweige mich beschwert,
Ich hab ob dir, so manches düstres Tal durchquert,
Ich habe dich trotz Alle dem so wahrhaft fest verehrt –
Doch stets mit diesem Schwert, dass über meinem Kopfe schwebt.

Ich komme nun zurück auf meine eigentliche Frage,
Warum das glücklich sein mir stets bereitet so viel Angst,
Befeuert ward durch all die vielen Lieder die du sangst,
Und dadurch mit viel Geschick in deine Knechtschaft zwangst,
Als wär’s verlassen werden dann, wovor für Wahr du bangst –
Doch weiss ich nun, womit ich dir ab jetzt die Macht versage.

Ich werde heute, hier und jetzt, das uns’re Band zerschlagen,
Auf was du alles hast zu sagen, werd’ ich nicht mehr hören,
Gar Luzifer persönlich würde ich beschwören,
Um sicherzustellen, dass ich ab jetzt mir werd’ gehören,
Ansonsten werde ich es sein, was nächstens wirst zerstören –
Doch werd’ ich’s nun nach furchbar langer Zeit wohl endlich wagen,
Und es laut und deutlich sagen:

Du bist nicht hässlich, immer schön,
Dein Körper Alles and’re als obszön,
So mancher tut dich wahrhaft lieben,
Weshalb die Warmen sind verblieben.
Du bist viel wert und nie zu viel.
Das deine Leben hat ein Ziel.
Das Glück, das hast du wohl verdient,
Die Freud’, sie hat fortan gedient.
Ein niemand wird dich bald verlassen,
Es gibt kei’n Grund mehr dich zu hassen.